Act 2005/2006 mit: Gravel Juice & Bitter Piece & The Spirit of Desire & Unique Club & Bitter Orange & Promises!

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Als wir kurz nach acht im „Bastard Club“ eintrafen, wurden wir erst einmal verwundert begrüßt.

„Welche Band? OsnaMetal?“ wurden wir von dem offensichtlich überforderten Menschen an der Kasse gefragt.

Nach einem Telefonat und nachdem der Veranstalter sich jedoch zum Eingang begeben hatte, konnten wir dann doch herein.

Etwas verwundert nahmen wir dann die Frage zur Kenntnis „Will vielleicht einer von euch in die Jury?“. Nun war es für uns an der Reihe, ob dieser etwas unkonventionellen Rekrutierung einer Jury offensichtlich überfordert zu wirken. Das Angebot nahm ich dann jedoch in der Hoffnung auf ein Freibier dankend an…

Erst jedoch mussten wir dem netten Herrn an der Eingangstür unseren mitgebrachten Proviant „für danach“, sprich drei Bier, überlassen. Immerhin sicherte er uns zu, dass wir unser kostbares Gut nachher wieder unbeschadet abholen könnten. Froher Hoffnung betraten wir also nun den Ort des Geschehens..

Während der folgenden Wartezeit hatten wir Gelegenheit, uns mit einigen der anwesenden Bandmitglieder zu unterhalten. Gerüchte im Vorfeld, denen zu Folge die Organisation als nur mittelprächtig angesehen wurde, wurden von diesen bestätigt. Zwei Bands bestätigten uns, dass sie erst zwei(!!!) Tage vorher überhaupt erfahren hatten, dass und wann der Auftritt stattfinden würde. Eine Band berichtete uns, dass sie zu sechs Uhr an die „Skatehall“ bestellt worden, der Veranstalter jedoch erst um sieben erschienen sei. Entsprechend wurden auch einige Verwünschungen den Organisator betreffend laut.

Nachdem wir auf diese Art einen groben Überblick über das Stimmungsbild gewonnen hatten, harrten wir der Dinge, die da kommen sollten – sprich: fünf der sechs angekündigten Bands. Boundless Rails, die Gewinner des „Rock in der Region 2005“, hatten kurzfristig abgesagt. Dies lag, so der Veranstalter, an Terminschwierigkeiten einiger Mitglieder.

Die Reihenfolge der Bands war erst kurz vor Beginn ausgelost worden, damit von Anfang an alle Bands samt Begleitung anwesend waren. Eröffnet werden sollte der Spaß demnach von Gravel Juice.

Die Combo um Sängerin Julia hat in Osnabrück schon einen gewissen Bekanntheitsgrad erreicht, darum wunderten wir uns, dass nur wenige offensichtliche Anhänger der Band ihren Weg in die „Skatehall“ gefunden hatten. Diese Verwunderung steigerte sich noch, als die Band ihr Set begann. Mit einer unglaublich tragenden und äußerst vielseitigen Stimme erregte Julia sofort Aufsehen. Mit melodischem, unglaublich eindringlich vorgetragenem Rock mit gelegentlichen Reggae-Attitüden, eben dem unverwechselbaren Gravel Juice-Stil, bestritt die Formation ihr Set bravourös.

Bedauerlicherweise war die Anteilnahme des Publikums sehr gering, da die Anwesenden als Anhänger einer der anderen Combos die unheimlich schöne Stimme der Sängerin wohl nicht wertschätzten.

Dies änderte sich jedoch, als voller Elan die Thrash-Metaller von Bitter Piece auf die Bühne stürmten. Aus dem Ansturm direkt an der Bühne wurde ersichtlich, dass ein Großteil der Anwesenden eigens wegen dieser Band erschienen war. Und dieser Teil fang auch gleich mit Start des Setopeners „Decay of humanity“ an, loszumoshen. Und dies änderte sich das ganz Set über nicht.

Der furiosen Einsatz der Gitarren und Drums war der perfekte Überbau für den Gesang und die (stimm)gewaltige Präsenz der Band auf der Bühne und teilweise des Sängers Mariano vor der Bühne.

Eigens angereiste Fans honorierten die Band mit speziell angefertigten Bitter Piece-Schildern. Für vielfachen Neid von Seiten des männlichen Publikums sorgte sicherlich wie sonst auch das Bandshirt mit dem Rückenaufdruck „In love with the drummer“. Dieser kann sich bei einem solchem Ansturm derartig attraktiver Anhängerinnen durchaus glücklich schätzen :).

Nach „Killing fields“ musste die Band trotz lauter Forderungen nach Zugaben ihr Set beenden, da das Zeitlimit erreicht war. Einige Anhänger machten sich daraufhin schon auf den Heimweg und gaben ihre Stimmzettel bereits ab, ohne sich die Mühe zu machen, die anderen Bands anzuhören.

Für den Rest wartete nun The Spirit of Desire mit stimmlich ausgereiftem Melodic Rock auf. Mit Keyboard, Bass, Gitarre und Drums versuchte die Gruppe, durch abwechslungsreiches Zusammenspiel das Publikum zu überzeugen. Doch das erwies sich zwar als nicht gerade ablehnend, jedoch fehlten an diesen Abend wohl, wie ich es schon bei Gravel Juice festgestellt hatte, Zuhörer, die sich mit eher melodischen Stücken anfreunden konnten. So schafften es die Westerkappelner nicht, das Publikum auf ihre Seite zu ziehen. Alles in allem zwar ein ordentlicher Gig, aber auf Grund der fehlenden Stimmung auch nicht mehr.

Als vierte Band des Abends präsentierten sich nun Unique Club, szenekundigen Osnabrückern als Finalist des diesjährigen „Rock in der Region“-Wettbewerbes bereits bekannt. Das Trio ist fast als Alptraum jedes Berichterstatters zu bezeichnen, weil sich ihr Stil kaum einordnen lässt. Grundsätzlich ist es Rock, aber mit Anleihen aus den Bereichen Funk und Reggae gerät dies stellenweise in Vergessenheit.

Dies heißt jedoch keineswegs, dass diese Musik nicht gehört werden sollte. Ganz im Gegenteil. Während im Vergleich zu den anderen angetretenen Bands bei dem „Rock in der Region“-Finale ihre Musik beinahe zurückhaltend schien, wurde nun deutlich, dass die Band ihre Hauptaufgabe darin sieht, zu rocken. Trotz den auch hier zahlenmäßig unterrepräsentierten mitgereisten Anhängern sorgten die drei wohl auch bei den Anwesenden für gute Laune, welche eigentlich eine etwas härtere Gangart bevorzugen.

Diese kamen dann bei dem nächsten Interpreten auf ihre Kosten. Als Kickass-Rock`n`Roll wird der Stil von Bitter Orange bezeichnet, und man hatte in der Tat den Eindruck, dass der Sänger Stefan denjenigen, die seinem Beispiel nicht folgen wollten, einen kräftigen Tritt in den Hintern zu verpassen gewillt war.

Laut, rau und heftig – der Sänger sprang, rannte, schrie und wälzte sich, wenn er nicht gerade seine Mitspieler „herzte“ und sie so vom Spielen abzuhalten versuchte oder auf Tuchfühlung mit dem Publikum ging.

Mit geradezu animalischem Einsatz wurden die Ohren des Publikums vollgerotzt – sehr zur Freude aller. Und begeistern tat auch der kämpferische Einsatz des Sängers für die Musik – „Egal, wem ihr nachher eure Stimme gebt-feiern könnt ihr auch mit uns!“ stellte er gleich zu Beginn seine Meinung nach.

Und die Menge folgte und fing gleich zu „Fuck the slut up“ an, loszulegen.

Meine persönliche Meinung von der Band verbesserte er dann noch einmal, als er einem armen, durstigen OsnaMetal.de-Vertreter ein Bier spendierte. Wirklich sympathisch, dieser Mann! ^^

Kurz vor Ende des Sets folgten noch einmal lobende Worte an alle bisher gespielten Bands – „obwohl wir vor zwei Tagen noch gar nicht wussten, dass wir hier spielen!“.

Nach einer weiteren Runde im Einsatz für die gute Musik traten dann auch die fünf Jungs von der Bühne, sicherlich bei den meisten einen bleibenden Eindruck hinterlasset.

Damit war die Reihe der Anwärter auf die Zwischenrunde des „Act 2005 / 06“ abgeschlossen. In der Zwischenzeit, während nun die Stimmen der Jury und des Publikums vom Veranstalter ausgezählt wurden, spielten zur Überbrückung die Gewinner des „Live in Bremen 2004“, die Band Promises! Promises, wie sie vom Veranstalter vorgestellt wurde.

Die Band, die schon im Vorprogramm von „Jimmy eat the World“, „Donots“, „4Lyn“, „Tito und Tarantula“ und ähnlich namhaften Interpreten gespielt hat, wird häufig als der norddeutsche Newcomer gehandelt.

Die vier Hansestädter, welche kurz darauf die Bühne betraten, hatten jedoch nicht mit dem Desinteresse der Zuhörer, bzw. in diesem Fall größtenteils Weghörer gerechnet. Da es sich bei den meisten Anwesenden um Anhänger einer der teilnehmenden Formationen handelte, war das Interesse relativ gering. Die Musik selber, von spöttischen Stimmen als „0-8-15-Rock“ klassifiziert, trug dazu aber wohl ebenso bei. Teilweise wurden sogar Zwischenrufe einiger überhaupt nicht begeisterter Anwesender laut. Zwar war es im Grunde solider, ordentlicher Rock, der hauptsächlich von Sänger Angelo getragen wurde – Aber nach Bitter Orange erwarteten die meisten Besucher wohl mehr als gemütliches Klampfen auf dem Sechssaiter.

Das Set dauerte aber auch nicht allzu lange, und so kam es dann zur Bekanntgabe der ausgezählten Stimmen.

Den fünften Platz belegte The Spirit of Desire, nur mit sehr geringem Abstand hinter Unique Club auf dem vierten und Gravel Juice auf einem guten dritten Platz belegten.

Zu den Bestplatzierten gehörten, wenig überraschend, Bitter Orange, welche den zweiten Platz belegten. Wahrscheinlich auf Grundlage ihrer Bühnenshow, für die sie von jedem Mitglied der Jury die volle Punktzahl erhalten hatte.

Für den ersten Platz zahlte es sich aus, dass die Metalheads um Bitter Piece ihre „Fanbase“ mitgebracht hatten, durch die sie auf den ersten Platz gewählt worden waren und so ihre hervorragende Livequalität belohnen ließen.

In der Jurywertung lag die Band lediglich auf Platz drei, aber 34% der Publikumsstimmen reichten für einen Gesamtsieg.

Erfreulicherweise ist diese Combo auch als einzige Osnabrücker Band für den „Wacken Metal Battle“ am 27.01 in der Lagerhalle, u.a. präsentiert von “’OsnaMetal.de“‘, nominiert und kann sich dort die Möglichkeit erspielen, auf dem „Wacken Open Air 2006“ auftreten zu dürfen. Da mag dieser (letzte) Auftritt vor dem Battle-Termin wohl als motivierendes Warm-Up gesehen werden!

Schlussendlich ein Fazit: Freibier gab es auch für die Jury nicht.

Die Organisation im Vorfeld wäre wohl verbesserungswürdig gewesen. Und, am allerschlimmsten: Das eingangs erwähnte und abgegebene Bier war verschwunden und wohl ebenso wie zig andere ungeöffnete Alkoholika im Müll entsorgt.

Die einzigen zwei Lichtblicke waren ein Haufen wirklich guter Bands vor 100 zahlenden Gästen, die den Besucher wohl auch über den unangemessen hohen Eintrittspreis hinwegtrösteten und wieder einmal mehr Zeugnis dafür waren, dass osnabrücks Nachwuchs über unerhört viel Potential verfügt.

Und: Der offensichtlich überforderte Mensch am Eingang, der mir meine Wegzehrung abgeknöpft hatte, hatte immerhin ein Bier übersehen. Bedauerlicherweise war ich selber so verwirrt, dass ich das dann auch erst zu Hause gemerkt habe. ^^

Setlist Gravel Juice:

01 Sunshine

02 Morning light

03 Bond

04 Try

05 Tribute

06 Ride my bike

07 Scorpion days

Setlist Bitter Piece:

01 Decay of humanity

02 Ruthless aggression

03 Godless

04 Agony & Misery

05 Killing fields

Setlist The spirit of Desire:

01 Pray

02 Dreams (Demo)

03 Fly

04 Deadend street

05 Believe

Setlist Unique Club:

01 Deep in my soul

02 Why?

03 Down (Ska)

04 On my way

05 Little smile

(Bass + Drum)

06 You’ll never get it

07 Creep (Radiohead)

Setlist Bitter Orange:

01 Fuck the slut up

02 Priestshow

03 Season of the whore

04 Death’n’Disco

05 Valentines SQ.

06 Bloodsuck

07 Love love love it!

08 Dead girls

09 Wurstbasar

Setlist Promises! Promises!:

n/a

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Autor: xxxxxxxx