Exklusiv-Interview mit Mathias Straub (Sacred Steel)

Di, 07 Nov 2006 00:00:00, xxxxxxxxxxxxxxxxx, [post_tag: exklusiv-interview, category: interviews-om, post_tag: mathias- straub, post_tag: sacred-steel]
Zunächst ein kleines Portrait des Interviewten: Name: Mathias Straub
Alter: 29
Wohnort: Ludwigsburg
Aufgewachsen in: Ludwigsburg
Beruf (bzw. gelernter Beruf): Rechtsanwalt
Instrument: Drums
Lieblingsessen: fast alles
Lieblingsgetränk: Hefeweizen, Beck`s
Top 5 (aktuell):
– Wolf – The Black Flame
– Powervice – Demo
– Social Distortion – alles
– Slayer – Christ Illusion
– Falconer – Northwind
Lieblingssong der neuen Scheibe:
Impaled By Metal
OM: Ihr habt ja neuen Leute im Boot. Wie läufts mit ihnen?
Mathias: Super! Es könnte wirklich kaum besser sein. Wir sind alle zufrieden mit dem Album, haben jetzt bereits die ersten Shows dazu gespielt, und freuen uns auf die nächsten. Das ist einfach das coole, wenn man mit Kumpels ne Band hat, man kennt sich, man mag sich, und hat ne Menge Spass.
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OM: Die neue Scheibe ist wieder ziemlich „Metal“. Wie bewertest du die Szene, besonders für True Metal in Deutschland?
Mathias: Klar ist die Scheibe „Metal“, sie ist ja schließlich von Sacred Steel. 🙂
Zurzeit findet ja fast ein kleiner Metal Boom in Deutschland statt. Bands wie Maiden, Slayer, Blind Guardian oder sogar Amon Amarth erobern oberste Charts-Regionen, zum Wacken Open-Air fahren inzwischen fast so viele Leute, wie zu Kommerz-Veranstaltungen wie dem Rock Am Ring, usw. Gerade viele Kids hören wieder nen Haufen harten Kram, wie Slipknot, C.O.B. oder eben Amon Amarth. Das ist an sich ne coole Sache, ich denke aber dass die Metal-Szene, so wie ich sie kenne, davon kaum profitieren wird. Denn zu Bands wie meinetwegen Vicious Rumors, Raven oder neueren Bands wie Powervice, Wolf oder eben auch Sacred Steel dringen diese „neuen Fans“ leider fast nie durch. Für viele von denen ist das eine Phase von wenigen Jahren, dann hören sie Gothic oder irgendwas anderes extremes. Gerade Power Metal oder
der sog. True Metal tut sich so schwer wie eh und je. Es ist halt einen kleine, aber feine eingeschworene Gemeinschaft.
OM: Was denkst du über Emo und alles was damit zusammenhängt (Scheitel, lackierte Fingernägel usw.)?
Mathias: Mir ist jetzt nicht bewusst, dass das ne eigenständige Musikbewegung ist, aber ich weiß natürlich worauf du anspielst. Ich arbeite ja auch als DJ in der Rockfabrik in Ludwigsburg, und da rennen jeden Freitag ca. 1000 – 2000 dieser Emo-Kids rum. Wie schon gesagt, ich vermute, dass die meisten davon in wenigen Jahren andere Wege einschlagen werden. Ein paar werden aber vielleicht auch ihre Liebe zum Metal entdecken. Im Prinzip soll sich jeder kleiden, frisieren und lackieren wie er will, meine Frisur halten manche vielleicht auch nicht für 100% true, letzten endes geht’s doch aber um Musik.
OM: Wo habt ihr die Intros für die Songs her?
Mathias: Das sind Zitate aus unterschiedlichen Filmen. Teilweise sind das Filme, die wir im Studio abends geschaut haben, und dann dachten, dass die Sachen gut zu dem ein oder anderen Song passen würde.
OM: Besonders das Intro zu „Impaled By Metal“ ist sehr lustig. Warum macht ihr solche Späße, aber verteufelt Happy Metal?
Mathias: Das Intro stammt aus einem Dokumentarfilm über die Metalszene der USA in den 80er Jahren (The Metal Years – The Decline Of The Western Civilisation). Ich fand diese Dame schon immer cool, und offensichtlich ist sie mit ihrem „demetalising“-Programm ja kapital gescheitert! Wir sind auch im Übrigen überhaupt nicht die spaßfeindliche Band, als die wir manchmal dargestellt werden. Wir haben auch nichts gegen fröhliche Musik. Aber wenn manche Bands ihre Gitarreriffs in einem Matsch aus Keyboard-Kitsch und 40-spurigen Chören ertränken, während im Hintergrund ein Drum-Computer in bester Rondo-Veneziano-Manier mit 190 bpm den Takt dazu tackert, dann hat das doch mit Metal nichts mehr zu tun! Es heißt nun mal HEAVY Metal, und die Heavyness geht bei manchen Bands einfach völlig flöten, da muss es doch erlaubt sein, zu sagen, dass es sich dann eben nicht um HEAVY, sondern wohl eher um Happy Metal handelt. Auch Heavy Metal kann natürlich gute Laune verbreiten, es gibt ja wohl keine geilere Partymucke als Motörhead, Twisted Sister, Tankard oder WASP, und diese Bands sind alle auf ihre Art und Weise HEAVY geblieben.
OM: By the way…was ist Happy Metal überhaupt bzw. was ist für dich Happy Metal?
Mathias: Ich kann das nicht genau abgrenzen, schließlich haben wir den Begriff ja nicht erfunden.
OM: Musikalisch ist die neue Scheibe ja doch ein eher thrashiges Brett geworden. In wie fern hängt das mit dem Produzenten, der ja viele Thrashgrößen in seinen Fingern hatte, zusammen?
Mathias: Auf die Songs an sich hatte Harris überhaupt keinen Einfluss, das stand alles fix und fertig, bevor wir nach Berlin gefahren sind. Die Platte wäre also in jedem Fall recht thrashig geworden, egal mit welchem Produzenten. Das mag auch daran liegen, dass Jens den Großteil der Songs geschrieben hat, und er hört nun mal fast ausschließlich Thrash Metal. Wir wollten aber auch alle dieses mal ne richtig klassische schnelle Power-Speed-Platte machen. Durch den Sound von Harris wird dieser Eindruck sicher noch verstärkt. Die Produktion ist recht roh und kantig, wie halt die typischen Thrash-Platten aus den 80ern.
OM: In wie fern würdet ihr das Triumvirat des deutschen Thrashs als Vorbilder sehen? Oder was sind sonst deine Vorbilder?
Mathias: Also, ich persönlich bin jetzt gar nicht sooo der Riesen Fan von deutschem Thrash, wenn dann noch am ehesten Tankard und Kreator. Aber Bands wie Onslaught, Forbidden, Nuclear Assault oder Heathen lagen schon immer eher auf meiner Wellenlänge. Sacred Steel ist ja auch sicher keine reinrassige Thrash Band, sondern eher eine Power Metal Truppe.
OM: Wie würdest du einem Leihen versuchen euer Album schmackhaft zu machen? Wie würdest du ihm eure Muck beschreiben?
Mathias: Hart, schnell, aggressiv, gut zum mitgröhlen geeignet. Der Gesang ist und bleibt ein Trademark von Sacred Steel,
das man entweder liebt, oder hasst. Ich fand Gerrits Stimme schon immer geil, seit ich ihn bei Tragedy Divine oder Dawn Of Winter gehört habe (schon bevor es also Sacred Steel gab), aber das ist wirklich Geschmackssache.
OM: Viel wurde geredet über Reunionen. Diese sind ja besonders im True Metal arg umstritten. Was hälst du von Maiden und Priest, mit den wiedergewonnenen Sängern?
Mathias: In diesen beiden Fällen hat es mich gefreut, die Bands wieder mit den „alten Sängern“ zu erleben, ebenso bei Candlemass, cool fände ich auch mal noch Crimson Glory mit Midnight! Man kann sagen, was man will, aber die Sänger sind doch zumeist das unumstrittene Aushängeschild einer Band, von daher finde ich Reunions mit anderen, neuen Sängern meist etwas seltsam, genauso, wenn nur noch 1 Originalmitglied mit neuen Leihmusikern irgendeine halbgare Reunion durchzieht (Anm. d. Red.: Denkt jetzt wer an Guns’n’Roses?). Es gab sicher viele gute und auch viele schlechte Reunions, Namen verkneife ich mir jetzt. Aber ich sehe es auch nicht so dramtisch, wie manch andere, wenn eine Reunion mal in die Hose geht. Für mich zerstört das dennoch nicht den Spirit der alten Platten, … also ich hör mir immer noch gern Hallows Eve oder Tygers Of Pan Tang an, und diese Bands waren live in der Reunion-Besetzung wirklich teilweise untragbar.
OM: Was sagt ihr/ du zu Manowar? Dreht DeMajo jetzt völlig ab? Nur noch Fanabzocke oder alles völlig gerechtfertigt?
Mathias: Ich hab das Interesse an Manowar inzwischen völlig verloren, ich hab die neuen Songs noch nicht mal gehört (ausser den Trailer bei Pro 7). Da fällt mir auch nichts mehr dazu ein. 3 Tourverschiebungen, 5 Doppel DVDs, Playback Orchester und Angelo Sasso an den Drums, da erübrigt sich eigentlich jeder Kommentar eines echten Metal Fans. Aber die Sache wird sich für Manowar wahrscheinlich lohnen, weil die schwindenden Metalfans durch hinzukommende Mainstream-Konzertgänger und –CD-Käufer kompensiert werden. Jemand der sonst zum Bon Jovi Open Air oder Rammstein Konzert geht, geht nun halt auch zu Manowar, der liest kein Rock Hard, der sieht die Tourposter erst dann in der U-Bahn, wenn die Tour auch wirklich stattfindet, und vom Earthshaker Festival hat der wahrscheinlich noch nie was gehört. Der sieht das Poster, denkt, … aha, die kenn ich aus TV total, das wird sicher lustig, und kauft sich für 60 Euo ein Ticket, und freut sich dann, dass das 20 Euro billiger ist als das Madonna Ticket, das er letztes Jahr gekauft hat. Mit Metal hat das nichts mehr zu tun.
OM: Kommentiert doch bitte kurz folgende Worte:
– Groupies: Ich kenn keine. – Alkohol: Das kenn ich!
– Kutten: Ich hab eigentlich keine richtige, nur so ne ganz einfache mit einem einzigen Patch (Maiden-Killers-Backpatch). Find das aber an sich geil!
– Nieten: Gehören bei Sacred Steel natürlich dazu. Beim Schlagzeugspielen stören die Dinger aber gewaltig, deswegen habe ich nur so einfache Lederarmbänder.
– Familie: Ne gut funktionierende Band ist eigentlich auch so was wie ne kleine Familie. Bei uns wäre dann ich wohl der Papa, der den ganzen Scheiß organisiert und die Familienkutsche fährt, der Jens ist die Pommes- und Eis-fressende Mama auf dem Beifahrersitz. Gerrit ist der rebellierende Sohn hinten in der Mitte, und der klopft sich andauernd mit seinem jüngeren Bruder Jonas um die Biervorräte, und der Kai, … tja de Kai, … für unseren Basser bleibt dann wohl nur noch die Rolle der altersschwachen Familentöle, raucht, säuft und schnauft auf dem letzten Loch im Kofferraum rum und ist mit der Situation total überfordert.
– Geld: Wär natürlich schön, mal auch mit der Band etwas zu verdienen, aber wenn nicht, dann halt nicht.
– Ruhm: Jeder, der in ner Band spielt, möchte natürlich mit dieser Band weiter kommen und bekannter werden, aber mit Ruhm an sich hat das nichts zu tun, eher mit Anerkennung für seine Arbeit und Leistung, und natürlich der Möglichkeit seine Sache weiter durchzuziehen, Alben aufzunehmen und zu touren etc.
OM: Was natürlich für unsere Leser interessant ist: Habt ihr in Osnabrück schon mal gespielt? Wie hats euch gefallen?
Mathias: Wir haben tatsächlich noch nie in Osnabrück gespielt, das sollten wir mal ändern.
OM: Kennt ihr die Szene in Osnabrück bzw. irgendwelche Bands von hier?
Mathias: Ich muss auch zugeben, dass ich keine einzige Band aus Osnabrück kenne.
OM: Zum Schluss könnt ihr/ du noch alles sagen was ihr/ du schon immer loswerden wolltet.
Mathias: Wir wollen auf jeden Fall mal in Osnabrück spielen!
Danke für das Interview, checkt unsere webseite www.sacredsteel.de und unseren dortigen Online-Shop, da bekommt Ihr alles zum besten Preis, wir versuchen immer auch unsere Shirtpreise sehr niedrig zu halten, Shirts gibt es bei uns schon ab 8,- Euro!!! Danke für Euren Support.
Metal on!
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Autor: Zwiebel
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