Exklusiv-Interview mit Redeema am: 23. Okt 2005

So, 10 Feb 2019 14:19:00, xxxxxxxxxxxxxxxxx, [post_tag: exklusiv-interview, category: interviews-om, post_tag: redeema]
OM: Hallo Redeema. Zum Einstieg wäre es nett, wenn ihr euch mal kurz
vorstellen würdet.
Redeema: Na gut, ich habe irgendwie vergessen wie man sich als Band
vorstellt. Hallo mein Name ist Redeema und ich bin irgendwann im August 2002 geboren. Ob ich ein Junge oder ein Mädchen bin weiß ich nicht so genau, irgendwas dazwischen denk ich. Ich bin ziemlich laut und
aggressiv, kann aber auch lieb und knuddelig sein. Mittlerweile besuche
ich schon die Schule und bin gerade in die 2. Klasse gekommen, das ging alles ziemlich schnell, kein Wunder, ich habe den Kindergarten übersprungen. Meine Eltern heißen Basti, 19 Jahre, ziemlich laut und ungemütlich und kann Tiergeräusche nachmachen; Sängerin Sonia, 24 Jahre, wirkt lieb und nett und kann ganz toll singen; Gitarrist Buzzti und
gleichzeitig Bruder von Basti, er kann dieses Ding mit den sieben Saiten bedienen und das ziemlich kreativ; David, 27 Jahre, besitzt ähnliche Fähigkeiten und spielt deshalb auch Gitarre; Olaf , 29 Jahre, hat das
gleiche Gerät mit dickeren Saiten; Robert, 22 Jahre, zweckentfremdet Plattenspieler und hat viele weitere lustig leuchtende Spielsachen;
Tilman, 23 Jahre, haut völlig sinnlos und geisteskrank auf Trommeln rum.
Also
insgesamt recht lustige Familienverhältnisse.
OM: Wie habt ihr euch denn getroffen und entschlossen als
Band zu fungieren?
Redeema: Sicherlich auf ungewöhnliche Art und Weise. Die beiden
Bastis und David kannten sich schon aus früheren gemeinsamen Projekten. Olaf wurde in einem Berliner Undergroundclub aufgegabelt. Robert und Tilman wurden durch Zufall in der zweiten Hand entdeckt. Sonia wurde von Basti aus seinem Gospelchor mitgebracht. Alle Bandmitglieder sind eigentlich über die ganze Stadt verteilt, was das kuriose Zusammenkommen unterstreicht.
OM: Euren Bandnamen finde ich persönlich recht gut. Gibt es
eventuell eine Geschichte dahinter oder ist er in einem „Brainstorming“ entstanden?
Redeema: Leider war ich bei der konkreten Entstehung nicht dabei und es bleibt die Frage, was zu erst war, der tolle Bandname oder die mehr oder weniger alberne Geschichte dazu. Ich denke der besondere Reiz besteht darin, dem geneigten Fan die Interpretation selbst zu überlassen. Nur soviel sei
gesagt, es hat nichts aber auch gar nichts mit der UT Waffe zu tun.
OM: Damit Personen, die euch noch nicht kennen, einen
Einblick in eure Musik erhalten. Wo würdet ihr denn eure Musik einsortieren? Und was sind eure Haupteinflüsse?
Redeema: Musik einsortieren ist ja eigentlich verpönt, warum weiß
ich nicht, deswegen mache ich es trotzdem. Unsere Musik kann man getrost als eine weitere Form des Nu Metal bezeichnen was ich im Gegensatz zu vielen anderen als Lob empfinde. Obwohl wir dementsprechend nicht wirklich etwas Neues entdeckt haben, gibt es interessante
Besonderheiten. Die Kombination aus weiblichem Gesang und maskulinen Shouts ist vielleicht die wichtigste. Instrumental halte ich die
besonders kontrastreiche Kombination aus harten Riffs, Moshparts auf der einen, sowie melodiöse und ruhige Parts auf der anderen Seite für erwähnenswert.
OM: Seit Anfang Oktober habt ihr eure zweite CD draußen. Wie
lange habt ihr denn an ihr gewerkelt bis sie gepresst werden konnte? Redeema: Eigentlich hat es nicht wirklich lange gedauert, vielleicht
3-4 Monate insgesamt. Das Abmischen und das ständige nicht Einig werden haben den größten Teil der Zeit in Anspruch genommen. Ursprünglich
sollte es auch eigentlich nur ein kleines Demo Album sein. Wenn man sich das Ergebnis
anguckt, stellt man fest, dass es doch mehr geworden ist.
OM: Habt ihr dabei alles alleine gemacht oder hattet ihr
Unterstützung? Wie sieht es denn mit einem Vertrag aus?
Redeema: Eigentlich haben die zwei Dinge ja nichts miteinander zu
tun. Zum ersten, wir hatten durchaus Unterstützung von diversen Leuten,
die aber entweder zum Management oder zu unserem engeren Freundeskreis gehören. Externe Hilfe gab es eigentlich nicht. Umso intensiver und
produktiver war die Zusammenarbeit innerhalb der Band, da haben wir uns gewissermaßen gegenseitig unterstützt. Zum Thema Vertrag kann ich eigentlich nur sagen, dass ich sowohl den Begriff als auch dessen Mystifizierung ziemlich übertrieben finde. Da wird man immer gefragt,
habt ihr denn schon einen Plattendeal, und dann antworten man mit ja und alle freuen sich. Ich glaube die wenigsten (mich mit
eingeschlossen) wissen was das wirklich bedeutet im negativen wie im positiven Sinne.
OM: Mit euren sieben Mitgliedern kann ich mir gut
vorstellen, dass es einige Schwierigkeiten beim Schreiben von neuen Songs gibt? Wie ist den der Ablauf bei der Entstehung?
Redeema: Da gibt es eigentlich wenig Probleme. Basti, einer unser Gitarristen kommt mit einem tollen Riff und wir basteln dann gemeinsam den Song dazu. Das Grundgerüst steht dann meistens sehr schnell und die Feinheiten dauern dann meistens deutlich länger, schließlich muss der Song allen 7 Bandmitgliedern gefallen und das ist oft gar nicht so
einfach. Am Ende dieser Prozedur steht dann aber ein Song, der ganz sicher ziemlich gut ankommen wird.
OM: Wer schreibt denn die Texte und worüber handeln sie hauptsächlich?
Redeema: Ich würde jetzt natürlich gerne eine ebenso spektakuläre
Antwort geben damit sich die Frage auch lohnt und behaupten, unsere Texte seien verkappte Bauanleitung für Sprengsätze oder Ikea Regale. Das ist natürlich gelogen, ich konnte sie mir ehrlich gesagt noch nie so
richtig durchlesen, da ich nicht des Lesens mächtig bin. Sie sind jedoch sicher lesenswert.
OM: Bei zwei Sängern, interessiert mich die Aufteilung der Gesangsparts. Entscheiden das die Sänger untereinander oder haben die anderen Bandmitglieder Mitspracherecht?
Redeema: Die Sänger geben uns immer dass Gefühl wir hätten ein solches Mitspracherecht und das befriedigt uns Instrumentalisten
scheinbar hinreichend. In Wirklichkeit ist das deren Entscheidung und
das können die denk ich auch am besten.
OM: Außerdem habt ihr mit Sonìa eine Sängerin dabei. Das
kommt ja recht selten vor bei einer Band eures Musikstils. Wie ist es
auf Konzerten, sind da die gerade unter Alkoholeinfluss sehr beliebten Schlachtrufe wie „Ausziehen“ zu hören? Und wie reagiert ihr darauf? Redeema: Solche Schlachtrufe sind in unseren Fankreisen offenbar nicht üblich, wir sollten vielleicht die Musikrichtung wechseln. Ich
kenne Sonia mittlerweile sehr gut und vermute, sie würde ganz cool mit einem ebenso proletarischen Spruch kontern. Außerdem könnten solche primitiven Aufforderungen auch an Basti adressiert sein, dann hoffe ich auf eine ähnlich ablehnende Haltung.
OM: Dass ihr live überzeugt, habt ihr ja beim Emergenza
Festival bewiesen, wo ihr als Sieger die Bühne verlassen habt? Wie sind eure Erinnerungen daran?
Redeema: In der Columbia Halle zu spielen war für uns alle die
bisher größte Live Erfahrung überhaupt. Als ich mich im Backstagebereich aufhielt ging mir durch den Kopf, wer hier wohl schon alles hingekotzt
hat, beeindruckend. An jenem Tag haben wir Blut geleckt, das spornt uns
zu immer kühneren Taten an.
OM: Ist es aus eurer Sicht der größte Erfolg als Band oder
stuft ihr z.B. die Veröffentlichung eurer CDs als größeren Erfolg ein? Redeema: Der Erfolg war groß, doch war es für mich keine echte Errungenschaft. Immerhin mussten über 300 Leute unsere Karten kaufen. Es war eher eine taktische und kaufmännische Meisterleistung. Eine eigene CD zu produzieren ist echte Handarbeit und eher ein Erfolg, auf den man stolz sein kann.
OM: Was waren aus eurer Sicht denn bis jetzt eure besten
Auftritte?
Redeema: Die Auftritte in der Berliner Underground Szene gehören zweifelsfrei zu den besten. Ich kann mich an Knaack Auftritte erinnern,
wo der Schweiß wieder von der Decke getropft ist, das war toll. Der oben erwähnte Auftritt in der Columbia Halle war für sich natürlich einzigartig. OM: Sind denn nach dem Release schon Konzerte oder eventuell eine kleine Tour geplant?
Redeema: Sehr rhetorische Frage, ja da ist eine kleine mit Konzerten gespickte Tour geplant, so wie sich das gehört. Nein, so selbstverständlich war die Tour natürlich nicht. Es ist den großartigen organisatorischen Talenten unseres Managements zu verdanken, unsere erste Tour antreten zu können.
OM: Bevorzugt ihr die Liveauftritte oder ist für euch
vielleicht sogar die Studioarbeit schöner?
Redeema: Ich denke wir sind eine absolute Live Band. Das ist aber
bei der Musik der Normalfall. Ein großer Teil unseres Erfolges lässt
sich sicher auf unsere Live Performances und unsere sympathische Ausstrahlung zurückführen. Irgendwie haben wir es wohl verpasst, uns irgendein dämliches Image aufzuzwingen. Wir verkleiden uns auch nicht als Wikinger oder drohen dem Publikum mit einer als Kettensäge verkleideten Heckenschere.
OM: Ihr kommt aus Berlin. Von uns aus ist das eine ganze
Ecke entfernt und leider habe ich in Berlin keine Bekannten mehr. Verständlicherweise kann ich deshalb schlecht einschätzen wie es bei euch um die Szene bestellt ist. Wie würdet ihr sie denn einschätzen? Redeema: Obwohl ich denke, dass die Szene der Stadt entsprechend deutlich größer und auch professioneller sein könnte, bin ich eigentlich froh, hier meine Band gefunden zu haben. Ich kann nur jedem nicht Berliner empfehlen, hierher zu kommen, das Knaack oder das SO 36 zu besuchen und so richtig abzurocken. Die Stadt lebt einfach 24 h am Tag und die vielen Facetten Berlins können jedem Geschmack etwas bieten. OM: Könnt ihr uns einige lokale Bands empfehlen?
Redeema: Das fällt mir leicht. Harvest, Zenzei und Jigsaw sind für
mich ganz klar die Spitze des Eisberges, wenn es um die härtere Richtung geht. Es gibt auch viele Bands der gemütlichen Gangart, deren Namen mir so ganz spontan nicht einfallen.
OM: Zum Abschluss noch eine Frage. Einige Bandmitglieder machen bei dem 60-Mann-Projekt „Berlin Allstars“ mit. Was kann ich mir darunter vorstellen?
Redeema: Das ist ein einzigartiges Projekt, in dem 60 Männer und ebenso viele Frauen in ungewöhnlichen Konstellationen die Hits unserer Vorbilder covern, und das meist ziemlich gut. Die Veranstaltung findet jedes Jahr vor Weihnachten im SO 36 statt und ist sehr beliebt. Organisiert wird das ganze von Koenig, der, wie ich finde, großen Respekt dafür verdient.
OM: Danke für das Interview und ich wünsche Euch noch viel Erfolg. Vielleicht habe ich ja mal das Vergnügen euch live zu sehen. Redeema: Ich danke ebenfalls, es war mir eine Ehre.
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Autor: Striker
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